4 Antworten anzeigen - 1 bis 4 (von insgesamt 4)
  • Autor
    Beiträge
  • #14830
    Johann Schuster
    Participant

    In VDA4 (Rotdruck) Kapitel 2.8.2.4 Maßnahmenanalyse Prozess-FMEA (4. Schritt) S. 58 steht zu lesen:

    ZITAT
    Nach Einsatz der Entdeckungsmaßnahme im Prozess und Nachweis der
    Wirksamkeit der Vermeidungsmaßnahmen wird die A-Bewertung entsprechend
    dem Ergebnis der Entdeckungsmaßnahme bestätigt oder korrigiert.
    ZITAT ENDE

    Meine Frage bezieht sich nun auf Dauertests. In einer FMEA-Schulung wurde mir empfohlen, dass Maßnahmen, die im DVP (Design Verification Plan) stehen, als „aktuelle Maßnahmen“ zu sehen sind. Dies wäre auch ein Dauerlauf, da er im DVP verzeichnet ist.

    Was passiert aber nun, wenn ein Dauerlauf fehlschlägt? Angenommen ich müsste die A-Bewertung korrigieren. Korrigiere ich dies dann in den aktuellen Maßnahmen?

    Ein solches Vorgehen dürfte nicht VDA-konform sein, wenn man auf S. 59 nachliest:

    ZITAT
    Bei der Bewertung von A- und E-Maßnahmen wird der Untersuchungszeitpunkt
    berücksichtigt. Um den aktuellen Stand darzustellen, wird zuerst die
    Wahrscheinlichkeit des Auftretens und der Entdeckung der Fehlerursache
    unter Berücksichtigung der bereits abgeschlossenen Maßnahmen bewertet.
    ZITAT ENDE

    Die Betonung liegt hier auf „abgeschlossen“. Ich tippe mal, dass meine Schulung nicht VDA-konform ablief. Konform wäre also: Bewerte die Information, die ich aktuell habe. Da der Dauertest noch nicht abgeschlossen ist, muss er als Optimierungsmaßnahme aufgeführt werden und kann dementsprechend angepasst werden.

    Bemerkung am Rande: Durch die eventuelle Höherstufung von A kann also auch eine höhere RPZ das Ergebnis eines Dauerlaufes sein.

    Problem ist aber nun, wenn sämtliche Testläufe als Optimierungsmaßnahmen aufgeführt werden, die FMEA schnell unwartbar/unübersichtlich wird.

    Was ist also zu tun? Gibt es eine „best practise“ diesbezüglich? Ich wäre über Ihre Einschätzung zu diesem Thema sehr dankbar.

    #16732
    Jürgen Eilers
    Keymaster

    Sie beziehen sich vermutlich bei den Seitenangaben nicht auf die aktuelle Ausgabe mit Stand „aktualisiert 6/2012“, sondern auf den Stand ohne Ausgabedatum des VDA von formal Dezember 2006 (Vorwort) bzw. tatsächliches Druckdatum von etwa Mai 2007.

    Wie auch immer, da die Überarbeitung nach Ausgabe 2006/2007 hin zur Ausgabe 2012 keine wirklichen inhaltlichen Änderungen enthält finden sich dort auch die von Ihnen genannten Zitate jedoch von der Seitennummer her auf der jeweils folgenden Seite.

    Zur eigentlichen Fragestellung:

    Wenn ich richtig verstehe, dann ist „Dauertest“ eine Maßnahme, die zum Zeitpunkt der FMEA-Erstellung nicht abgeschlossen ist, und damit nicht den Ist-Stand beschreibt, sondern einen geplanten Stand. Die A-Bewertungszahl beschreibt den Zustand nach einem erfolgreichen Dauerlauftest.

    In der Praxis habe ich gesehen, dass Maßnahmen in der FMEA bereits auf abgeschlossen gesetzt werden, wenn zu dem Zeitpunkt zu dem die FMEA-Ergebnisse relevant werden die Maßnahmen tatsächlich abgeschlossen sind. Um das formal korrekt abzuschließen muss diese Annahme in der FMEA dokumentiert werden, z.B. auf dem FMEA-Deckblatt und es ist sicherzustellen, dass es ein geeignetes Projektmanagement gibt, welches bei einem negativen Ergebnis der Maßnahme (hier Dauerlauftest) dafür sorgt, dass die FMEA-Inhalte hinsichtlich der A-Bewertungszahl geändert werden. Außerdem müssen natürlich die Maßnahmen selbst in einem funktionierenden Projektmanagement verwaltet werden, ggf. mit dem Hinweis „FMEA relevante Maßnahme, dort bereits abgeschlossen dokumentiert.“

    Ich glaube allerdings, dass die zuvor beschriebene Vorgehensweise zu einem Zeitpunkt entwickelt wurde, zu dem es z.B. noch keine globalen Maßnahmen gab und viele Dinge noch nicht so effizient wie in der aktuellen Version 6 der APIS IQ-Software bearbeitet werden konnten. Hier würde mich dann auch die Meinung von anderen Anwendern interessieren, wie diese zu dem Thema stehen.

    #16733
    werner.w1
    Participant

    Hallo,

    Bei Dautertests, oder lange laufenden Versuchen ist es aus meiner Sicht recht Schwierig die korrekte Bewertung zu finden.
    Aus meiner Erfahrung heraus würde ich in so einem Fall wie folgt vorgehen:

    – zum Zeitpunkt der Erstellung der FMEA wird eine bestimmte A-Bewertung angenommen. Diese kann je nach Komplexität und Bekanntheitsgrad des Verfahrens / Tests bewertet werden. Da kommt auch aus der Norm der Vorschlag mit 10 zu bewerten, wenn keine Informationen bekannt sind.
    Das wiederspiegelt den Anfangsstand der Versuche und enthällt eine Annahme über eine Risikoeinschätzung. Das muss formal so auch in der FMEA festgehalten werden.

    – Wenn die Versuche abgeschlossen sind, werden die Ergebnisse bewertet und entsprechend die Bewertungen (A und E) angepasst. In einem neuen Maßnahmenstand wird das festgehalten und auch der Verantwortliche und Termin erfasst. Das ist der Stand mit dem dann das ermittelte Risiko abgebildet wird (im Vorfeld der abgeschlossenen Versuche, das erwartete Risiko) und entspricht mit großer Wahrscheinlichkeit auch dem realen Risiko.

    – Sollten weitere Tests, Versuche oder Untersuchungen erforderlich sein, müssen weitere Maßnahmen definiert werden.

    Mit besten Grüßen

    Werner W.

    #16734
    Nenad Bartolic
    Participant

    Hallo,

    der Dauerlauf entspricht einer Entdeckungsmaßnahme (EM). Eine Vermeidungsmaßnahme (VM) wird unabhängig von der E-Bewertung der EM bewertet. Erst nach Abschluss der EM ist der A-Wert der VM neu zu betrachten. Mit der EM wird zum einen ein Fehler entdeckt und zum andern die Wirksamkeit der VM bestätigt. So gibt es die VDA an.

    Das ist aber ein Dilemma. Wie soll nun hier eine objektive Risiko-Bewertung durch A und E vorgenommen werden? Der Grund warum es überhaupt dazu kommt, dass durch den Dauerlauf einen Fehler entdeckt wird, liegt doch darin, dass konstruktiv etwas nicht beachtet wurde (Voraussetzung in mein Bsp.: Im Pflichtenheft sind alle notwendigen konstruktive Information enthalten). Also sollten doch vorher gute EM beschrieben werden, die sicherstellen, dass die Konstruktion den Dauerlauf erfolgreich bestehen kann. Es sollten somit geeignete Maßnahmen für der Fehlerursache definiert werden, als die Fehler(-folgen) mit dem Dauerlauf zu entdecken. Das sollte das Ziel sein!

    Mein Tipp ist: Versuchen Sie nicht den Dauerlauf als einzige EM zu verwenden. Finden Sie mit dem FMEA-Team EM die unmittelbar auf die Fehlerursache anwendbar sind. Sollte das nicht möglich sein, sollten Sie den Dauerlauf schlechter bewerten. Warum? Weil die Maßnahme nicht geeignet ist, einen wie auch immer gearteten Schaden rechtzeitig zu verhindern.

    Ansonsten ist es nicht falsch bereits geplante Maßnahmen als Ist-Maßnahmen zu definieren, auch wenn sie noch nicht abgeschlossen sind.

    Mit besten Grüßen
    Nenad Bartolic

4 Antworten anzeigen - 1 bis 4 (von insgesamt 4)
  • Sie müssen angemeldet sein, um zu diesem Thema eine Antwort verfassen zu können.