MSR-Formblatt-Erklärungstext zu Spalte 12: „Systemreaktion“

1. Allgemeines

Das AIAG/VDA-Formblatt (MSR) – kurz MSR-Formblatt genannt – wird im FMEA-Handbuch der beiden Verbände entworfen. Es gliedert sich in die zwei Bereiche „Risikoanalyse (Schritt 5)“ (Darstellung des FMEA-Ist-Stands) und „Optimierung (Schritt 6)“ (Darstellung des geplanten FMEA-Stands). Die Anwendung des MSR-Formblatts wird im Handbuch anhand einer minimalisierten Fensterheber-FMEA demonstriert. Diese FMEA ist Grundlage für die in der IQ-Software zum MSR-Formblatt auffindbaren Erläuterungen und wurde als AIAG-VDA-Fensterheber.fme-Datei programmiert. Um die Übersichtlichkeit der hier vorliegenden Erläuterung zu wahren, wurde nur die im FMEA-Handbuch vorhandene Struktur mit Hybridnetz in der Beispieldatei betrachtet. Diese Datei kann hier heruntergeladen werden.

2. MSR-Formblatt-Verwendung bei bereits in Struktur und Netzen vorhandener FMEA

Sie befinden sich gerade in der Zelle „Systemreaktion“ des MSR-Formblatts und damit in der Phase „Optimierung (Schritt 6)“ der FMEA nach AIAG/VDA-Handbuch. Da die Optimierung eines FMEA-Stands einen noch nicht optimierten FMEA-Stand voraussetzt, wird in dieser Beschreibung davon ausgegangen, dass bereits ein nicht optimierter FMEA-Stand existiert. Im MSR-Formblatt wird dieser Stand im Bereich „Risikoanalyse (Schritt 5)“ abgebildet. Für die minimalisierte AIAG/VDA-Fensterheber-FMEA stellt sich der noch nicht optimierte FMEA-Stand im Struktur-Editor und im Fehlernetz sowie im MSR-Formblatt so dar, wie es die nachfolgenden Bilder zeigen. Wenn Sie sich ausführlicher darüber informieren wollen, wie der Datenfluss vom Struktur-Editor und Fehlernetz ins MSR-Formblatt vor sich geht, nutzen Sie die bei info button icon in den Zellen „Vorhandenes Monitoring“ und „Vorhandene Systemreaktion“ des MSR-Formblatts hinterlegten Erläuterungen.

Systemreaktion: Grafik 1

Systemreaktion: Grafik 2

Wenn man den im AIAG/VDA-Fensterheber-Beispiel beschriebenen Optimierungsschritt abzubilden versucht, indem man die vorhandene Struktur samt Hybridnetz erweitert, stellen sich Struktur-Editor und Fehlernetz wie in den zwei nachfolgenden Bildern dar. Die Erweiterungen sind hier farblich kenntlich gemacht.

Systemreaktion: Grafik 3

Systemreaktion: Grafik 4

Schaut man sich nach diesen Änderungen das MSR-Formblatt an, erkennt man, dass die neuen Sicherheitsmechanismen und ihre Fehlerfolge statt im Schritt 6 (Optimierung) im Schritt 5 (Risikoanalyse) als Erweiterung zum bereits bestehenden Sicherheitsmechanismuspfad angeordnet wurden. Die erwartete Position von Fehlererkennung und Fehlerreaktion in der Optimierungsphase bleibt leer.

Systemreaktion: Grafik 5

An diesem Verhalten ändert sich auch nichts, wenn man aus den beiden neuen Sicherheitsmechanismen Maßnahmen im Kundenbetrieb ableitet. Dadurch wird ebenfalls kein Eintrag in die Zellen „Diagnostische Monitoring-Maßnahme“ und „Systemreaktion“ bei Schritt 6 erreicht. Tatsächlich ändern sich lediglich die Struktur-Editor-Liste und die Kennzeichnungen oberhalb der Zellen „Vorhandenes Monitoring“ und „Vorhandene Systemreaktion“ des MSR-Formblatts (s. nächste Bilder).

Systemreaktion: Grafik 6

Einen Eintrag in die beiden hier erwähnten Zellen „Diagnostische Monitoring-Maßnahme“ und „Systemreaktion“ des MSR-Formblatts erreicht man nur auf direktem Weg.

Bei bestimmten Datenkonstellationen kann es vorkommen, dass neben den bereits erwähnten Symbolen zusätzlich ein exclamation_mark erscheint. Mit diesem Zeichen weist Sie die IQ-Software auf eine besondere Situation hin, welche beim Betrachten des MSR-Formblatts nicht offensichtlich wird, sich aber aus der vorliegenden Datenkonstellation ergibt. Wenden Sie das Kontextmenü auf das exclamation_mark -Symbol an, werden Sie über die vorhandene Besonderheit unterrichtet.

3. MSR-Formblatt-Verwendung bei direkter Dateneingabe

Das nachfolgende Bild gibt einen allgemeinen Überblick darüber, wie der Datenfluss aus der leeren Zelle „Systemreaktion“ des MSR-Formblatts bei direkter Dateneingabe in eine vorhandene FMEA (hier in Form des Struktur-Editors) erfolgt. Das soll die zuvor bereits genutzte AIAG/VDA-Fensterheber-Beispiel-FMEA sein.

Systemreaktion: Grafik 7

Da Sie sich gerade in der Zelle „Systemreaktion“ des MSR-Formblatts befinden, muss dort eine Vermeidungsmaßnahme eingetragen werden, aus der anschließend eine Fehlerreaktion abgeleitet werden kann, die ins Fehlernetz verknüpfbar ist. Im vorliegenden Fall lautet die Vermeidungsmaßnahme Komfortschließfunktion wird deaktiviert. Damit Maßnahmen unterschiedliche Attribute zugeordnet werden können (z.B. Verantwortlicher, Termin etc.), werden zu diesem Zweck bekannterweise Maßnahmenstände eingerichtet, bei denen die Maßnahmen verankert und die Attribute aufgelistet sind. Für das MSR-Formblatt ist unabdingbar, dass die eingetragene Vermeidungsmaßnahme bei einem Maßnahmenstand mit einer Maßnahmengruppe „Kundenbetrieb“ verankert wird; denn allein aus einer solcherart verorteten Vermeidungsmaßnahme kann im MSR-Formblatt über die im Kontextmenü vorhandene Funktionalität „Sicherheitsmechanismen von Maßnahmen ableiten“ eine Fehlerreaktion gleichen Namens generiert werden. Diese Fehlerreaktion ist letztlich vonnöten, um im Fehlernetz zusammen mit Fehlererkennung und Fehlerfolge den abgesicherten Pfad für die betrachtete Fehlerursache (hier Signal vom Hallsensor zum Steuergerät wird nicht übertragen) zu dokumentieren. Die IQ-Software erstellt deshalb für diese Fehlerursache automatisch einen neuen Maßnahmenstand mit der Maßnahmengruppe „Kundenbetrieb“, sobald eine Eingabe in die Zelle „Systemreaktion“ erfolgt.

Wenn auf beschriebene Weise der Sicherheitsmechanismus Komfortschließfunktion wird deaktiviert als Fehlerreaktion erzeugt wird, muss die IQ-Software dieses neu erstellte Objekt verankern. Dabei entstehen zwangsläufig Verknüpfungen zu anderen IQ-Objekten, die bei Bedarf automatisch erstellt werden. Näheres dazu können Sie über die bei info button icon in den Zellen „Vorhandenes Monitoring“ und „Vorhandene Systemreaktion“ des MSR-Formblatts hinterlegten Erläuterungen erfahren.

Im vorliegenden Fall muss für den Sicherheitsmechanismus Komfortschließfunktion wird deaktiviert das Strukturelement (SE) Systemgenerierter Anker: Fehlerreaktion erzeugt werden, in welchem eine Funktion SR: Komfortschließfunktion wird deaktiviert sowie die gleichnamige Fehlerreaktion abgelegt sind. Das im Namen vorangestellte SR: verweist darauf, dass dieses IQ-Objekt der MSR-Formblatt-Zelle „Systemreaktion“ zugeordnet ist. Die Erzeugung des SE passiert, weil die Software nicht weiß, wo die Fehlerreaktion verankert werden soll. Dass im vorliegenden Fall bereits ein SE für Fehlerreaktionen existiert, ist der Software unbekannt. Sie weiß aber, dass die generierte Fehlerreaktion den Fehler Signal vom Hallsensor zum Steuergerät wird nicht übertragen absichern soll. Deshalb wird im Fehlernetz die Fehlerreaktion mit dieser Fehlerursache automatisch verknüpft. Im nachfolgenden Bild sind die beschriebenen Zusammenhänge erkennbar. Die Darstellung des MSR-Formblatts ist darin auf die Zelle „Systemreaktion“ beschränkt. Aus dem oberhalb dieser Zelle befindlichen Symbol failure icon wird erkennbar, dass aus der hier eingetragenen Entdeckungsmaßnahme bereits eine Fehlererkennung abgeleitet worden ist.

Systemreaktion: Grafik 8

Nach den vorherigen Schritten kann die jetzt vorhandene Struktur ebenso wie das bereits vorhandene Fehlernetz zum weiteren Ausbau der FMEA genutzt werden. Auch weitere Direkteingaben in das MSR-Formblatt sind möglich, wobei mit der Erstellung neuer, automatisch generierter IQ-Objekte gerechnet werden muss.

Wenn man davon ausgeht, dass vor dem Eintrag einer Vermeidungsmaßnahme in die hier betrachtete Zelle „Systemreaktion“ bereits die Zelle „Diagnostische Monitoring-Maßnahme“ mit einer Entdeckungsmaßnahme versehen und daraus eine Fehlererkennung abgeleitet worden ist (s.a. Erklärung dort bei info button icon ), stellt sich die AIAG/VDA-Beispiel-FMEA im MSR-Formblatt und Struktur-Editor wie folgt dar:

Systemreaktion: Grafik 9

Systemreaktion: Grafik 10

Wie man aus der Struktur-Editor-Liste erkennt, ist die Fehlfunktion Funktion „Komfortschließen“ geht verloren; Fenster lässt sich nur manuell bewegen noch in kein Fehlernetz eingebunden. Die AIAG/VDA-Fensterheber-FMEA weist diesen Fehler als Folgefehler für den abgesicherten Fehlerpfad aus, der für den Fehler Signal vom Hallsensor zum Steuergerät wird nicht übertragen gilt. Im MSR-Formblatt muss dieser Folgefehler in der Zelle „Schwerwiegendste Fehlerfolge nach Systemreaktion“ verankert werden. Dies kann auf zwei Arten geschehen.

a) Einbindung des Folgefehlers direkt ins MSR-Formblatt

Trägt man den Folgefehler Funktion „Komfortschließen“ geht verloren; Fenster lässt sich nur manuell bewegen direkt in die dafür vorgesehene Zelle „Schwerwiegendste Fehlerfolge nach Systemreaktion“ ein, hat das folgende Auswirkungen im MSR-Formblatt, im Struktur-Editor und im Fehlernetz:

Systemreaktion: Grafik 11

Systemreaktion: Grafik 12

Systemreaktion: Grafik 13

Der Direkteintrag des Folgefehlers ins MSR-Formblatt hat zur Folge, dass dieser Folgefehler im Fehlernetz automatisch „an die richtige Stelle“ verknüpft wird. Allerdings muss die IQ-Software eine Verankerungsfunktion „Funktion für Fehlerfolgen“ erstellen und diese beim SE „Fensterhebersystem“ verorten. Gleichzeitig wird dem Folgefehler vom System automatisch die höchste B-Bewertung zugeteilt, weil noch nicht bekannt ist, welche Bedeutung der Folgefehler tatsächlich hat. Die direkte Eingabe des Folgefehlers ins MSR-Formblatt nach a) zieht somit einige „Aufräumarbeiten“ innerhalb der FMEA nach sich, die bei der Einbindung des Folgefehlers nach b) nicht benötigt werden.

b) Einbindung des Folgefehlers direkt ins Fehlernetz

Bindet man den Folgefehler Funktion „Komfortschließen“ geht verloren; Fenster lässt sich nur manuell bewegen direkt und korrekt in das Fehlernetz ein und verschiebt man die in den systemgenerierten Ankern befindlichen Sicherheitsmechanismen in die entsprechenden, von anfangs her vorhandenen SE „Fehlererkennungen“ und „Fehlerreaktionen“, hat die AIAG/VDA-Fensterheber-FMEA das abschließende, folgende Aussehen im MSR-Formblatt, im Struktur-Editor und im Fehlernetz:

Systemreaktion: Grafik 14

Systemreaktion: Grafik 15

Systemreaktion: Grafik 16

Wenn Sie das zuvor abgebildete Fehlernetz mit dem vergleichen, welches auf dem in Abschnitt 2. beschriebenen Weg erstellt worden ist (s.o.), werden Sie feststellen, dass in beiden Fehlernetzen zwar die gleiche FMEA-Aussage enthalten ist, die Netze aber dennoch nicht identisch sind. Das liegt daran, weil die Sicherheitsmechanismen Plausibilitätsprüfung zwischen Motorstrom und Hallsensorsignal und Komfortschließfunktion wird deaktiviert des in Abschnitt 2. gezeigten Fehlernetzes direkt ins Netz eingetragen wurden, während die Sicherheitsmechanismen des letzten Fehlernetzes über den Optimierungsschritt 6 des MSR-Formblatts durch Ableitung aus Maßnahmen entstanden sind und darüber ins Netz eingebunden wurden. Im Fehlernetz können Sie an den Bezeichnungen der Sicherheitsmechanismen erkennen, auf welche Weise sie den Weg ins Fehlernetz gefunden haben. Geht den Sicherheitsmechanismusbezeichnungen ein M: oder ein SR: voran, wurde der Weg über den Optimierungsschrit 6 des MSR-Formblatts beschritten.